„Verschwindet“, krächzte die alte Frau, „nutzloses Gesindel“. Ihr dünner Hals blähte sich auf, blaue Adern traten hervor, die faltige Haut spannte sich bedenklich. Ich dachte mir erwartungsvoll: „Gleich, gleich platzt ihre Haut“, natürlich geschah nichts dergleichen. Wahrscheinlich waren ihre Muskeln vom jahrelangen Keifen und Schimpfen bestens trainiert.
„Das besagte „Gesindel“ waren wir.
„Max, ein Junge von 9 Jahren, mit frechen, lustigen, schrecklich blauen Augen, einer in alle Richtungen stehenden blonden Stachelfrisur und einen etwas verträumten Blick.
„Meine gleichaltrige Freundin Liane, die wunderschöne dunkle Mandelaugen hat und eine schwarze Haarmähne, welche ihr bis zur Hüfte reicht – und natürlich ich, von meinen Freunden Billy genannt.
„Allerdings heiße ich Sybille, aber niemand nennt mich so. Außer vielleicht meine Mutter und nur dann, wenn ich etwas angestellt habe, was ja so gut wie nie vorkommt, meine ich jedenfalls!
„Ich bin ein großes, dünnes, eher unscheinbares und schüchternes Mädchen mit einem undefinierbaren Jungenhaarschnitt, blasse Haut, einer zum Himmel zeigenden kleinen spitzen Nase und – leider – jeder Menge fehlendem Selbstbewusstsein.
„Wir saßen auf „unserer“ Bank vor den Häusern der Siedlung, in der wir wohnten.
„Das war die einzige Grünfläche, die sich im Umkreis von 100 Metern anbot, um einander noch schnell zu einem kleinen gemütlichen abendlichen Plausch zu treffen, noch die letzten wichtigen Sachen vor dem Abendessen zu besprechen, denn wir drei sahen uns ja leider erst morgen in der Schule wieder.
„Natürlich hatten wir alle ein Handy, doch wir versuchten unsere kostbaren Freiminuten zu sparen, für ganz besonders wichtige Nachrichten.
„Wie zum Beispiel Liane anzurufen und ihr mitzuteilen, dass es bei uns zum Abendessen Spinat gab, den gab es sehr oft bei uns.
„Meine Eltern liebten Spinat, ich konnte diesem glibberigen, grünen Teufelszeug wenig abgewinnen. Vielleicht würde Spinat ja besser schmecken wenn er blau oder gelb gewesen wäre, aber das ist nur so eine Theorie von mir.
